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Euphorie an der Heim-EM: Meine Fussballreise durch die Schweiz

Im Juli 2025 wurde die Schweiz zur Bühne des europäischen Frauenfussballs, ein Turnier voller Leidenschaft, Rekorde und historischen Momenten. Als fussballbegeisterter Journalist vom Schaffhauser Lokalsender Radio Munot war ich mittendrin, zwischen Stadien, Fanmärschen, Spielerinnen-Interviews und einem dramatischen Tor in der Nachspielzeit.

Eröffnungszeremonie im St. Jakob-Park

Ausgangslage vor dem Turnier

Als Gastgeberin war die Schweizer Nationalmannschaft unter Cheftrainerin Pia Sundhagen automatisch für die Fussball-Europameisterschaft 2025 qualifiziert. In der Gruppe A traf die Schweizer Mannschaft auf Norwegen, Island und Finnland, alles Nationen, die auf ähnlichem Niveau wie die Nati spielten. Für den Einzug in den Viertelfinal mussten die Schweizerinnen mindestens Gruppenzweite werden, eine durchaus machbare Aufgabe trotz der zuletzt schwachen Auftritte in der Nations League.

Als Moderator und Redaktor beim Radio Munot hatte ich die Möglichkeit, mich bei der UEFA für die Fussball-Europameisterschaft der Frauen zu akkreditieren und über die Spiele der Schweizer Nati zu berichten. Insgesamt warteten knapp 1’200 Kilometer Reise auf mich, mit Ausgangspunkt jeweils in meinem Wohn- und Arbeitsort Schaffhausen. Für das Eröffnungsspiel ging es nach Basel in den St. Jakob-Park, das zweite Gruppenspiel führte mich ins Berner Wankdorf-Stadion. Für das dritte und letztlich entscheidende Gruppenspiel reiste ich quer durch die Schweiz ins Stade de Genève.

Austragungsorte der Schweizer Nati an der EURO 2025
Austragungsorte der Schweizer Nati an der EURO 2025

Eröffnungsspiel Schweiz gegen Norwegen

Das erste Gruppenspiel der Schweizer Nationalmannschaft im Basler St. Jakob-Park war gleichzeitig das offizielle Eröffnungsspiel der Fussball-Europameisterschaft 2025. Rund um das Stadion herrschte bereits Stunden vor dem Anpfiff eine grossartige Stimmung. Die Farbe Rot dominierte die Strassen und später auch die Zuschauerränge.

Obwohl ich einen reservierten Parkplatz direkt neben dem Stadion zugesprochen bekam, war die Anreise mit dem Auto sehr mühsam. Fast sämtliche Strassen rund um das Stadion waren gesperrt, auch jene, die von der UEFA als Zufahrt angegeben worden war. So musste ich mich fast eine Stunde lang bei Verkehrspolizisten durchfragen, bis ich schliesslich den richtigen Weg fand. Im Akkreditierungszentrum dauerte es weitere dreissig Minuten, bis ich meinen Zugangsbändel erhielt. Auch die Sitzplatzzuweisung verlief etwas chaotisch. Das alles bei über 30 Grad. Organisatorisch war da in Basel noch Luft nach oben. Nichtsdestotrotz fand ich rechtzeitig meinen Platz und konnte mitansehen, wie sich das Joggeli immer weiter füllte.

Der Wille des Schweizer Teams, am Heimturnier etwas Grosses zu erreichen, war von Beginn an spürbar. Die Schweizerinnen gaben von der ersten Minute an den Takt vor. Lia Wälti war der Motor der Nati, und Nadine Riesen beackerte die linke Seite mit gefährlichen Vorstössen ins letzte Drittel der Gegnerinnen. Riesen war es auch, die in der 28. Minute nach einem gescheiterten Klärungsversuch der Norwegerinnen ihre Chance nutzte und vor rund 34’000 Zuschauerinnen und Zuschauern zum 1:0 für die Schweiz einschob, begleitet von ekstatischem Jubel im ganzen Stadion.

EM 2025: Schweiz – Norwegen

Nach einer starken ersten Halbzeit kam neun Minuten nach Wiederanpfiff der Dämpfer für die Schweizerinnen. Innert vier Minuten drehte Norwegen die Partie. Nach 58 Minuten hiess es Schweiz – Norwegen 1:2. Die Schweizerinnen bäumten sich in den letzten zwanzig Minuten nochmals auf, konnten sich jedoch nicht für einen beherzten Auftritt belohnen.

Wichtiger Sieg im zweiten Gruppenspiel

Für das zweite Gruppenspiel reiste ich erneut früh von Schaffhausen nach Bern. Schon auf dem Weg zum Wankdorf-Stadion war spürbar, wie sehr die Heim-EM inzwischen Fahrt aufgenommen hatte. 14’000 Fans marschierten vor dem Spiel Schweiz – Island in Bern zum Stadion.

Fanmarsch durch die Berner Altstadt

Fast 30’000 Zuschauerinnen und Zuschauer sorgten dafür, dass sich das Wankdorf bereits lange vor dem Anpfiff wie eine grosse Festarena anfühlte. Der Druck für die Nati war spürbar. Ein Sieg war beinahe schon Pflicht, um sich das Weiterkommen zu sichern. Das Spiel gestaltete sich zuerst ohne wirklichen Rhythmus: viele Zweikämpfe, viele Unterbrüche, kaum Spielfluss.

Nach der Pause fanden die Schweizerinnen zunehmend besseren Zugriff. Der Dosenöffner ereignete sich in der 76. Minute: Nach einem Ballgewinn von Lia Wälti kam der Ball zu Sydney Schertenleib, die Géraldine Reuteler in die Tiefe schickte. Reuteler blieb vor dem Tor eiskalt und schob flach ins linke Eck ein.

Nur wenige Minuten später folgte der emotionale Höhepunkt des Abends. Die eingewechselte Stürmerin Alayah Pilgrim verzögerte nach einer Ballkombination kurz, setzte ihren Schuss in die linke Ecke, und durch eine leichte Ablenkung landete der Ball unhaltbar im Netz. 2:0! Das Wankdorf explodierte. Die gesamte Schweizer Ersatzbank stürmte jubelnd auf Pilgrim zu, und das Stadion verwandelte sich endgültig in eine Festhütte.

  • Alayah Pilgrim

Nach dem Spiel ging es für die Journalistinnen und Journalisten in die Mixed Zone. Wie schon beim Eröffnungsspiel drängten sich die Mikrofone der grossen und der lokalen Medienhäuser entlang des Absperrbandes. Alle warteten gespannt auf die Spielerinnen, um Interviews zu führen. Als einige Nati-Spielerinnen den Gang entlangkamen, waren ihre Freude und auch ihre Erleichterung deutlich spürbar. In den Interviews gaben sich Pilgrim, Riesen und Wandeler zuversichtlich, dass die Nati nun die Qualifikation für das Viertelfinale schaffen wird.

Xhemaili mit dem Lucky Punch für die Schweiz

Für das dritte Gruppenspiel reiste ich erneut quer durch die Schweiz, diesmal ins Stade de Genève. Die Ausgangslage war klar: Ein Punkt würde reichen, um erstmals in der Geschichte der Schweizer Frauen-Nati an einer Europameisterschaft in den Viertelfinal einzuziehen. Die Spannung war bereits auf dem Weg zum Stadion greifbar, und mit jedem Schritt Richtung Arena wuchs die Nervosität, nicht nur bei den Fans, sondern auch bei mir.

Nicolás Valero als Sportreporter im Einsatz

Denn für dieses Match hatte ich mein Headset im Gepäck. Wir übertrugen das Spiel live bei Radio Munot. Über eine Reporter-App war ich direkt mit unserem Studio verbunden. Noch ein kurzer Mikro-Check vor Spielbeginn und schon ging es los ins entscheidende Gruppenspiel: Schweiz – Finnland.

Während die Schweizerinnen versuchten ins Spiel zu kommen, tastete ich mich an meine erste Live-Übertragung fürs Radio an. Nach ein paar Minuten war ich drin, getragen vor der Spannung und tollen Atmosphäre im vollen Stadion.

Die Schweizerinnen starteten solide in die Partie und erspielten sich früh einige Möglichkeiten. Nach der Pause übernahm die Schweiz immer mehr die Kontrolle, ohne allerdings zwingend genug zu werden. Und dann kam der Schockmoment: In der 78. Minute zeigte die Schiedsrichterin nach einem Foul von Viola Calligaris auf den Punkt. Finnlands Kuikka verwandelte eiskalt. Plötzlich schien die EM-Reise der Schweiz auf dramatische Weise zu enden. Etliche Fingernägel wurden in den folgenden Minuten Opfer der angespannten Stimmung.

Doch die Nati gab nicht auf. Durch die Einwechslungen von Wandeler, Lehmann und Xhemaili kam wieder Schwung ins Schweizer Spiel. Es lief bereits die 92. Minute. Nach einer Passkombination am Strafraum brachte Géraldine Reuteler den Ball scharf vors Tor. Und dort stand Joker Riola Xhemaili goldrichtig: Aus fünf Metern drückte sie den Ball über die Linie. Der Rest war pure Ekstase. Über 26’000 Fans verwandelten das Stade de Genève in eine Partyhütte. Das 1:1 war Tatsache und die Schweiz stand zum ersten Mal überhaupt im Viertelfinal einer Europameisterschaft.

Endstation Viertelfinal: Reife Leistung gegen Spanien

«Leider konnten wir Ihre Anfrage aufgrund der enormen Nachfrage nach diesem Spiel und der begrenzten Kapazität im Stadion nicht berücksichtigen. Wir schätzen Ihre Unterstützung und Begeisterung für die Women’s EURO 2025 sehr und haben Sie auf die Warteliste gesetzt, falls es zu Stornierungen kommt.»

Diese E-Mail der UEFA sorgte einige Tage vor dem Viertelfinalspiel bei mir für grosse Enttäuschung. Ich erhielt keine Akkreditierung für das Spiel Schweiz gegen Spanien. Also musste ich improvisieren und entschied mich zusammen mit meinem Arbeitgeber Radio Munot, das Spiel für unsere Zuhörerschaft aus unserem Studio mittels der TV-Bilder zu kommentieren. Damit das Ganze eine Dynamik erhielt, brauchte ich noch eine Co-Moderation. So fragte ich also bei einem lokalen Fussballverein nach, ob eine Spielerin oder Trainerin Interesse hätte, als Fussballexpertin mit mir zusammen den Match zu kommentieren. Mit grosser Freude lernte ich so die D-Juniorinnen-Trainerin Noelle Russenberger kennen.

Noelle Russenberger mit Nicolás Valero im Studio von Radio Munot

Schliesslich kommentierten wir zusammen im Studio das Viertelfinalspiel Schweiz gegen Spanien. In einem Mix aus Gesprächen über die Entwicklung des Frauenfussballs, die Wichtigkeit der EM in der Schweiz und Analysen zum Spiel, sahen wir, wie Spanien an diesem Abend schlicht eine Nummer zu gross war. Die Schweizerinnen verteidigten im Berner Wankdorf mit Disziplin und Leidenschaft. Über 29’000 Fans trugen die Nati durch eine intensive erste Stunde. Doch nach 65 Minuten setzte die spanische Klasse ein klares Zeichen. Aitana Bonmatí zauberte mit dem Absatz, Del Castillo schob eiskalt an Livia Peng vorbei: 0:1. Kaum hatte sich das Stadion von diesem Stich erholt, zappelte der Ball wieder im Netz: Claudia Pina traf per herrlichem Schlenzer ins Lattenkreuz. In fünf Minuten war die Partie gekippt. Am Ende musste sich die Nati dem Titelkandidaten mit 0:2 geschlagen geben. Ein bitteres Resultat, aber eines, das der Leistung gerecht wird. Die Schweiz kämpfte bis zum Schluss, doch gegen diese individuelle Qualität war an diesem Abend kein Weiterkommen möglich.

Der Auftritt der Schweiz sorgte an dieser Heim-EM für Momente der Euphorie und für Tage, an denen der Fussball so gross, so friedlich und so gemeinschaftlich gefeiert wurde, dass sie als Vorbild für kommende grosse Turniere dienen könnten. Und mittendrin durfte auch ich stehen: als Journalist und Sportreporter von Radio Munot aus Schaffhausen, der all diese Augenblicke hautnah miterleben durfte.

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Igel in Not: Wie Sie und das Igelzentrum Zürich gemeinsam helfen können

Von Frühling bis Herbst raschelt und schmatzt es nachts in den Schweizer Gärten – der Igel ist auf Futtersuche und pflanzt sich fort. Doch diese Zeit birgt auch Gefahren. Viele Stacheltiere fallen oft menschlichen Einflüssen zum Opfer. Die gute Nachricht: Sie können zusammen mit dem Zürcher Igelzentrum Ihren stacheligen Nachbarn helfen.

Ein Igel auf dem Behandlungstisch im Igelzentrum Zürich

Text / Bilder / Videos von Nicolás Valero

Der Fund eines Igels im eigenen Garten löst bei vielen Menschen einen «Jöö-Effekt» aus. Gleichzeitig tauchen Fragen auf, wie man vorgehen sollte, wenn ein Igel beispielsweise tagsüber unterwegs ist, röchelt oder sichtbare Verletzungen hat. Hilfe und Antworten gibt es bei Igelstationen, so auch beim Igelzentrum Zürich. Dort betreuen mehrere Tierpflegerinnen die kranken und verletzten Stacheltiere.

Eine der Igelpflegerinnen ist Daniela Wiedenmann.

Sie kümmert sich mit grossem Engagement um die Pflege und Rehabilitation der verletzten Igel. Ihr Alltag im Igelzentrum Zürich ist geprägt von ihrer Liebe zu Tieren und ihrer Motivation, ihnen zu helfen. Sobald die kranken und verletzten Igel bei der Station abgegeben worden sind, nimmt Daniela Wiedenmann die Tiere auf und gibt ihnen die nötige Pflege für eine Rückkehr in ihr natürliches Habitat.

Daniela Wiedenmann vom Igelzentrum Zürich beschreibt die vielfältige Arbeit als anspruchsvoll, aber auch erfüllend. Von der gründlichen Reinigung der Gehege über die Fütterung jedes einzelnen Igels bis hin zur medizinischen Pflege – jede Aufgabe ist entscheidend, um den kranken und verletzten Stacheltieren eine zweite Chance in der Natur zu geben. Wie ihre Arbeit genau aussieht, zeigt das folgende Video:

Bekanntes Wildtier in Schweizer Gärten

In den Schweizer Dörfern und Städten gibt es beträchtliche Igelpopulationen. Besonders im Mittelland ist der Braunbrustigel verbreitet und vorzugsweise in Quartieren mit einem grossen Grünanteil anzutreffen. Der stachelige Insektenfresser ist den meisten Bewohnerinnen und Bewohnern der Schweiz gut bekannt. Schon in der Primarschule lernen Kinder über den Igel, und viele haben ihn selbst in ihren Gärten beobachtet.

Das Igelzentrum Zürich kümmert sich nicht nur um die Aufzucht und Pflege der stacheligen Insektenfresser, sondern engagiert sich auch in der Öffentlichkeitsarbeit. Es bietet Aufklärungen über das Verhalten des Igels und seinen Lebensraum an. Monatlich finden im Igelzentrum Führungen und Informationsveranstaltungen statt, die besonders bei Schulklassen sehr beliebt sind.

Viele Probleme für Igel sind vom Menschen gemacht

Trotz ihrer Anpassungsfähigkeit sind Igel in der modernen Welt zahlreichen Gefahren ausgesetzt. In freier Wildbahn erreichen sie selten das theoretische Alter von 7-8 Jahren. Häufig sterben sie bereits nach wenigen Jahren. Zu den natürlichen Feinden des Igels gehören der Dachs und der Uhu. Neben diesen Tieren sind es vor allem die von Menschen geschaffenen Hindernisse, die das Überleben der Igel gefährden. Der Verlust von naturbelassenen Grünflächen sind eine der Hauptursachen für die hohe Sterblichkeitsrate.

Strassen sind für Igel oft unüberwindbare Barrieren und führen zu zahlreichen Todesfällen, insbesondere während der Paarungszeit. Darüber hinaus stellen Gartenwerkzeuge, Beeren- und Rebnetze, Schächte, Swimmingpools und andere menschliche Einflüsse ernsthafte Risiken für die Igel dar. Obwohl der Igelbestand in der Schweiz momentan nicht akut gefährdet ist, liegt es am Menschen, durch Massnahmen wie den Erhalt von Lebensräumen und die Reduzierung von Gefahren einen langfristigen Schutz der Igel sicherzustellen.

«Jede Person mit einem Garten kann einen wertvollen Beitrag leisten», sagt Simon Steinemann, Geschäftsleiter des Igelzentrums Zürich.

Mit kleinen Massnahmen den Garten für Igel optimieren

Schon kleine Veränderungen im Garten können viel bewirken. Ein Ast- und Laubhaufen als zusätzlicher Unterschlupf, ein bunter Blumenrasen, der Schmetterlinge und andere Insekten anzieht, oder eine wilde Ecke, die Verstecke bietet, machen einen grossen Unterschied. Ein Igel kann etwa eine Treppenstufe hochklettern und passt durch ein faustgrosses Loch – auch das sind Elemente, die in einem igelfreundlichen Garten berücksichtigt werden sollten.

Nebst einem igelfreundlichen Garten ist auch die richtige Beurteilung eines gesichteten Igels wichtig. Beispielsweise geht es tagaktiven Igeln nicht automatisch schlecht. Was zu tun ist, wenn Sie einem Igel in Not begegnen, sehen Sie im folgenden Video mit Simon Steinemann:

Durch eine igelfreundliche Gartengestaltung und ein besseres Verständnis der Bedürfnisse dieser Wildtiere kann jeder einen Beitrag zum Schutz der Igel leisten. Auch kleine Anpassungen helfen den stacheligen Bewohnern, sich in einer zunehmend urbanisierten Welt zurechtzufinden. Das Igelzentrum Zürich bietet Unterstützung und Beratung, wenn es um den richtigen Umgang mit Igeln in Not geht. Mit Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme lässt sich der Lebensraum der Igel nachhaltig verbessern, sodass sie auch in Zukunft in unseren Gärten heimisch bleiben können.